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Genäht, geklebt, gehäkelt: Kleine Kunstwerke stecken voller Ideen

Beim ersten Wasserburger Künstlermarkt präsentiere Hobbykünstler ihre vielfältigen Werke
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Jens Dell-Gebhard hat den ersten Wasserburger Künstlermarkt auf der Halbinsel initiiert und ist selbst mit kleinformatigen Bildern vertreten.
Jens Dell-Gebhard hat den ersten Wasserburger Künstlermarkt auf der Halbinsel initiiert und ist selbst mit kleinformatigen Bildern vertreten. (Foto: Ruth Eberhardt)

Wasserburg / sz Von Ruth Eberhardt

Wasserburg - Fast jedes Material hat das Potenzial, in ein kleines Kunstwerk verwandelt zu werden. Dies haben 18 Hobbykünstler und kreative Leute aus Wasserburg und Umgebung am Pfingstsamstag eindrucksvoll bewiesen. Sie präsentierten beim ersten Wasserburger Künstlermarkt auf der Halbinsel ihre vielfältigen Werke, die sie aus Schwemmholz und Beton, aus Häkelgarn und buntem Stoff, aus alten Büchern und Schneckenhäusern geschaffen hatten.

So unterschiedlich wie die Materialen und die Produkte auch sind – eines haben sie alle gemeinsam: Es stecken großer Ideenreichtum und viel Sorgfalt darin. Dies ist auch der Freiburgerin Annette Siefert aufgefallen, die derzeit Urlaub in Wasserburg macht. „Sehr schön“, findet sie diesen kleinen Markt, „weil alles selber gemacht und alles ganz liebevoll hergestellt ist.“ Der Schmuck von Carolin Lamm aus Wasserburg hat es ihr angetan. Filigran gearbeitete Halsketten und schillernde Broschen lassen bei genauem Hinsehen staunen. Denn Carolin Lamm verarbeitet Abfall zu Geschmeide: Aus Stücken von alten CDs und aufpolierten Fahrradritzeln gestaltet sie phantasievolle Anhänger, leere Kapseln von Kaffeepads formt sie zu blütenförmigen Colliers, ein Kugellager eines Fahrrads trägt sie selbst als Fingerring. Diese alten Sachen kunstvoll aufzuwerten, ist für Carolin Lamm ein „Ausgleich zum Job“.

So ähnlich geht es vielen Ausstellerinnen, die sich über anerkennende Worte der Passanten freuen – und noch mehr über einen Käufer. „Es gibt so viele kreative Leute in Wasserburg und Umgebung“, sagt Jens Dell-Gebhard, Initiator dieses Marktes. Und es gebe auch ganz viele, die ihre Sachen verkaufen wollen. Ihnen eine Plattform zu geben, sei das Ziel dieses Künstlermarktes. Zudem belebe diese Veranstaltung die Halbinsel und bereichere den Tourismus. Der Wasserburger Kunstlehrer, der am Tettnanger Gymnasium unterrichtet, präsentiert bei der Premiere des Marktes kleinformatige Bilder, die in einer Art Walzendrucktechnik entstanden ist.

Wie zur Bestätigung dieser Ziele hat Sonja Grüner ein kleines Schild an den Pavillon ihres Standes geheftet: „Mit viel Liebe zum Detail. Reine Handarbeit. Jedes Stück ein Unikat und Souvenir“, steht darauf. Die Wasserburgerin näht „aus Hobby und Leidenschaft“, wie sie sagt. Ihre Werkstücke spiegeln diese Aussage wieder: Piratenkopftücher, Haartücher, Schürzen, Patchwork-Taschen, Turmfahnen mit Applikationen wie etwa einer Drachenfiguren und viele andere Näharbeiten sind an ihrem Stand ausgebreitet.

„Alles Handarbeit“ lautet auch an den anderen Ständen die Devise, zum Beispiel bei Alina Hütt aus Wasserburg und Carolin Eigstler aus Wiggensbach. Die beiden 15-jährigen Freundinnen sind die jüngsten Teilnehmerinnen des Künstlermarktes. Alina fertigt aus Schwemmholz kunstvolle Dekorationsartikel. Carolin häkelt gerne. Zusammen füllen sie mit ihren Arbeiten einen ganzen Stand.

Ihnen gegenüber präsentiert die gelernte Buchhändlerin Anna Rahm aus Kressbronn ihre originellen Werkstücke. Sie zerlegt alte Bücher und macht daraus etwas Neues: Mappen aus den alten Buchdeckeln, Zettelhalter, Lesezeichen und sogar Schmuck.

So geht es munter weiter. Ob genäht, gestrickt, gehäkelt, gesägt, geklebt, getöpfert, geformt, getöpfert, aufgefädelt, gemalt oder fotografiert: Die Techniken, um kleine Kunstwerke herzustellen, scheinen ebenso unerschöpflich zu sein wie die Materialien. Die Kulisse könnte nicht besser sein für die Premiere des Künstlermarkts, denn das sonnige Fönwetter bietet beste Sicht über den See bis zu hinüber zu den Bergen. „Die Location ist super“, sagt Waltraud Fischer aus Oberteuringen. Und Wiebke Breil aus Hege, die sich mit ihr einen Stand teilt, ergänzt: „Es wäre schön, wenn sich’s etablieren würde.“

Der Wasserburger Künstlermarkt findet in diesem Jahr noch zwei weitere Male statt: am Samstag, 29. Juni, sowie am Samstag, 13. Juli, jeweils von 11 bis 17 Uhr auf der Halbinsel Wasserburg

(Erschienen: 20.05.2013 17:45 - Schwäbische Zeitung)